Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sitzen am Rande eines Pools auf einem Liegestuhl, die Luft hat herrliche 32 Grad und die Füsse lassen Sie in das angenehm kühle Nass baumeln. Sie geniessen den Duft des Salzes, welcher vom Meer herüberweht und lauschen dem Rauschen der Palmen im Wind. Und Sie schlagen Ihr Buch wieder auf und vertiefen sich zufrieden in die spannende Geschichte …

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Innerlich befinde ich mich wieder am Pool und kann das Meer förmlich riechen. In diesem Jahr durfte ich den Norden von Portugal besuchen und genoss immer wieder genau diese Momente.

Das Buch, das ich las, war »TELL ME« von Thomas Pyczak. In diesem Buch geht es um Storytelling, welche Wirkung Geschichten im privaten oder geschäftlichen Bereich erzielen und mit welchen Techniken Geschichten geschrieben werden können. Das Buch, welches in der ersten Auflage Anfang 2017 erschienen ist, bearbeitet das Thema mit journalistischer Sorgfalt und gibt viele Beispiele und Techniken an die Hand, um Storytelling im Business-Alltag erfolgreich einzusetzen. Beispielsweise wenn es um einen Vortrag geht, erfolgreicher verkauft werden oder ein Pitch-Deck für Investoren erstellt werden soll.

Storytelling in E-Learnings

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Bei den ersten zwei Absätzen in diesem Artikel handelt es sich um eine Mini-Geschichte, die dazu dient, Sie auf diesen Artikel einzustimmen.

Gerade wenn es ums Lernen geht, ist das Vermitteln von Informationen durch Geschichten besonders effektiv. Sie helfen nicht nur, die Lernenden zu motivieren und eine intensive Erfahrung zu schaffen, Geschichten erlauben es auch, sich emotional mit dem Thema zu verbinden. Theoretische Aussagen können über den Einsatz von Geschichten einfach veranschaulicht und ihre Wirkung dadurch dramatisch verstärkt werden.

Wir von partekk setzen uns intensiv mit dem Thema auseinander, vor allem wenn es um die praktische Anwendung von Storytelling in einem E-Learning-Modul geht.

Folgende Techniken haben sich bisher bewährt:

1. Ein Tag im Leben von …

In einer fiktiven Geschichte wird ein Tag eines Charakters (z. B. Mitarbeiter, Kunden oder Partner) beschrieben, welche Hürden im Laufe des Tages überwunden oder welche Aufgaben gelöst werden müssen, um am Ende des Tages glücklich und zufrieden ein Feierabendbier geniessen zu können.

Der Lernende folgt den Handlungen eines Charakters und lernt aus den Situationen, denen der Charakter begegnet.

Hier einige Ideen:

  • Der erste Tag eines neuen Mitarbeiters.
  • Ein Tag als Chef in meiner Firma.
  • Heute sind wir Steuerprüfer.
  • Das erste Mal, als Hans das neue Produkt installieren durfte.

Hier ein Beispiel einer Backstory:

»Das ist Denis. Denis startet heute seinen neuen Job als Gesundheitsinspektor. Lassen Sie uns Denis folgen, während er auf seine erste Inspektion geht, und stellen Sie sicher, dass er keine Gesundheitsbeeinträchtigungen und Verletzungen verpasst.«

Folgende W-Fragen geben Ihnen den Rahmen der Geschichte:

  • Wer ist der Charakter?
  • Wo befindet sich der Charakter?
  • Wann findet diese Geschichte statt?
  • Was passiert ihm auf seinem Weg?
  • Wohin führt die Reise, welche Ziele sollen erreicht werden, welches Happy End hat die Geschichte?

2. Die »Was-wäre-wenn-Methode«

Diese Methode wird oft von Autoren genutzt, wenn sie in einer Geschichte nicht mehr weiterkommen oder um neue Ideen für eine Geschichte zu erhalten. Ausgehend von einer bestimmten Gegebenheit geht es darum, Alternativen zu finden.

In unserer E-Learning-Einheit vermitteln wir die Fakten aus einem bestimmten Grund: um beispielsweise besser zu verkaufen, um die Mitarbeiter oder sich selbst besser zu führen oder um eine Software richtig einzusetzen usw.

Wenn wir nun diese Fakten mit Storys verknüpfen, welche beispielsweise aufzeigen, was passiert, wenn wir das Gegenteil machen würden, erhalten die Informationen eine ganz neue Qualität. Sie werden durch die neue Sichtweise bzw. den neuen Kontext verstärkt.

Hier ein paar Ideen:

  • Was würde passieren, wenn wir diesen Arbeitsschritt auslassen würden?
  • Was wäre, wenn plötzlich die Software abstürzt und die Arbeit wieder »analog« erledigt werden müsste?
  • Was wäre, wenn wir das Gegenteil von dem machen würden, was uns vorgegeben wird?
  • Was wäre, wenn wir nicht mehr in die Firma kämen, weil das Schliesssystem ausgefallen ist und wir nun von zu Hause arbeiten müssten.
  • Was wäre, wenn der Strom plötzlich ausfallen würde?
  • Was würde passieren, wenn nur ich mich an diese Regel halten würde und alle anderen nicht?

3. Agiles Storytelling

In der agilen Softwareentwicklung geht es darum, Schritt für Schritt Software-Programme weiterzuentwickeln und dabei niemals den Kunden aus dem Blick zu verlieren.

Immer wenn ein Stück Software programmiert werden soll, wird zuerst in standardisierter Form eine Geschichte des Kunden erzählt. Die Geschichte passt auf eine Karteikarte. Eine solche »User Story« beschreibt in schematischer Form ein ganz bestimmtes Bedürfnis eines Kunden.

Vorlage User Story:

Titel
Ich als (Rolle/Repräsentant eines Kunden)
möchte (Ziel/Wunsch),
um (Nutzen).

Beispiel User Story:

Übersicht der Bestellungen
“Ich als Kundin in einem Onlineshop
möchte, bevor ich meine Bestellung absende, eine Übersicht über meinen kompletten Warenkorb bekommen,
um Irrtümer oder Fehler bei der Bestellung auszuschließen.”

Auszug aus Thomas Pyczak: „Tell me!“

Diese Technik lässt sich unserer Meinung nach auch für unsere Arbeit bei der Entwicklung von E-Learnings nutzen.

Für jeden Schritt oder für jedes Kapitel in unserem E-Learning-Modul denken wir uns eine kurze »User Story« aus, aus Sicht des Kunden, aus Sicht des Mitarbeiters oder Partners. Diese »User Story« binden wir in unserem Modul ein. Wir erzählen die Geschichte im Kontext mit dem zu vermittelnden Sachverhalt.

Möchten Sie mehr erfahren? Besuchen Sie unsere Trainings und Seminare.

Buchempfehlung:

Thomas Pyczak. „Tell me!“

http://snip.ly/3sutz
http://snip.ly/xmgc7

ISBN 978-3-8362-4561-6 (E-Book)
1. Auflage 2017
© Rheinwerk Verlag GmbH, Bonn 2017

Photo by Mink Mingle on Unsplash

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