Oder wie man die Akzeptanz von E-Learnings kontinuierlich verbessert.

Ziemlich genau vor einem Jahr kam ein Unternehmen (nennen wir die Firma Komplex AG) auf uns zu, konkret Max, der Verantwortliche für Digital Learning, und meldete sich bei mir.

Max erzählte mir, sie hätten vor ca. 3 Jahren E-Learnings eingeführt, unter anderem, um Kosten zu sparen und um schneller auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Die Mitarbeiter jedoch nutzen die E-Learnings nur widerwillig. Aus dem einen oder anderen Grund wurden die E-Learning-Kurse mit Langeweile, Frustration und Verwirrung verbunden.

Wir schauten uns die Situation näher an und konnten 5 Hauptgründe identifizieren, welche unter anderem für den schlechten Ruf verantwortlich waren.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Dem Unternehmen ist es gelungen, die Akzeptanz von E-Learnings kontinuierlich zu verbessern und das Vertrauen der Mitarbeiter zurückzugewinnen.

Grund 1: Irrelevanter oder nicht hilfreicher Inhalt

Einer der Gründe für die Frustration bei den Lernenden der Firma Komplex AG war, dass sie nicht verstanden, was ihnen der Inhalt nutzen sollte. Sie empfanden das E-Learning als reine Zeitverschwendung.

Mangelnde Kenntnisse der Zielgruppe und unscharfe, ja sogar fehlende Ziele führten immer wieder zu solch negativen Erfahrungen.

Die Zielgruppe “alle Mitarbeiter der Firma” ist extrem ungenau und kann gar nicht allen gerecht werden. Die Mitarbeiter der Produktion verlangen eine andere Ansprache als das Managementteam.

Eine der ersten Aufgaben ist daher die Segmentierung und Untersuchung der Zielgruppen, um dann in einem zweiten Schritt die Ziele für sie festzulegen.

Ganz wichtig ist die Perspektive aus Sicht des Users. Was ist der konkrete Nutzen für meine Arbeit oder wie es die Amerikaner so schön auf den Punkt bringen: »What’s in it for me?«

Diese Antworten sollten vor dem Start der E-Learning-Entwicklung schriftlich festgehalten werden.

Grund 2: Sie verwendeten eine unheimliche Menge an Text.

Die E-Learning-Module der Komplex AG waren mit wenigen Ausnahmen extrem textlastig.

Dass wir keine Text-Lerner, sondern visuelle Lerner sind, ist ein alter Zopf. Unser Gehirn verarbeitet Grafiken und Bilder viel besser als nur Text. Text alleine und zuviel Text ist eine sichere Art, das Publikum dazu zu bringen, Ihre Botschaft zu ignorieren!

Aber wenn das alle wissen, weshalb treffen wir dies immer wieder an?

Einer der Gründe ist mangelnde Zeit. Der Zeitfaktor wird in vielen Fällen komplett unterschätzt. So auch in der Firma Komplex AG. Zwar wurde in ein gutes Werkzeuge wie Articulate Storyline investiert, jedoch wurde kein Zeitfenster für die Entwicklung installiert. Das Ergebnis: Die Entwickler arbeiteten vor allem abends und am Wochenende an den Trainings, was logischerweise die Motivation auf Dauer arg strapazierte.

Ein weiterer Grund war die Fähigkeit, Texte zu abstrahieren, zu konzentrieren und zu reduzieren. Das Herausschälen einer Kernbotschaft aus einem Text ist eine Fähigkeit, die sehr unterschiedlich ausgebildet sein kann und teilweise grosse Mühe bereiten kann. Immer wieder hören wir: Alles sei wichtig!

Zeit kann die Firma Komplex AG zur Verfügung stellen, Abstrahieren ist erlernbar und vor allem mit der richtigen Strategie einfach umsetzbar:

  1. Das überrascht Sie jetzt vielleicht: Arbeiten Sie solange wie möglich mit PowerPoint. PowerPoint haben alle und die meisten Kollegen können damit umgehen.
  2. Teilen Sie den Text auf Powerpoint-Folien auf, auf die Sie
    1. einen passenden Titel hineinschreiben (die Folie jedoch noch komplett leer lassen) und
    2. den dazugehörigen Text in die Notes von PowerPoint kopieren.
  3. Definieren Sie eine Kernbotschaft pro Folie. Wenn der Text mehrere Kernbotschaften enthält, teilen Sie diese auf weitere Folien auf.
  4. Ersetzen Sie die Kernbotschaft mit einem passenden Bild oder einer Grafik.

Dies ist nur ein Ausschnitt aus eines unserer Trainings. Einen Kontext bzw. eine Geschichte rund um den Inhalt schaffen, erhöht weiter die Aufmerksamkeit und die Akzeptanz der Lernenden.

Grund 3: Fehlende Sprache

Ein weiterer Grund, weshalb bei der Komplex AG die E-Learnings eher »Text-Learnings« waren, war die mangelnde Bereitschaft, dem auditiven Kanal Beachtung zu schenken.

Verwendet man einen Sprecher bei E-Learnings, kann der Text massiv reduziert werden, was per se schon einen Vorteil darstellt, hinzukommend lernen wir Menschen mit all unseren Sinnen, also auch mit den Ohren. Der Spassfaktor und damit auch die Akzeptanz bei den Mitarbeitern konnte mit dem Einsatz der Stimme eines Profisprechers nachhaltig erhöht werden.

Aus unserer Sicht hat das viel mit Wertschätzung zu tun, und dies merken die Mitarbeiter sofort. Bei der Komplex AG hatte dies sofort zur positiven Bewertung der E-Learnings geführt.

Es muss übrigens nicht immer ein Profisprecher sein. Wenn die Message beispielsweise ist: »Hey, wenn Du irgendeine Frage zum E-Learning oder zum Inhalt hast, melde dich bei mir«, dann macht das Selber-Besprechen der E-Learning-Einheit unter Umständen durchaus Sinn.

In unserem Ratgeber: »Wie Ihre Informations- und Lernmodule ‘sprechen’ lernen« haben wir uns ganz diesem Thema gewidmet.

Grund Nr. 4: Uneinheitliches und schlechtes Design

Ein Online-Lernprogramm ist nur so gut wie das Design. Ein gutes Design ist mächtig genug, um die E-Learning-Erfahrung zu einem positiven Erlebnis zu machen.

Dabei spielen typografische Regeln, die Bildsprache sowie die Gestaltung und Struktur von Bedienelementen eine gewichtige Rolle. Jedoch haben die wenigsten Mitarbeiter eine gestalterische oder gar eine Ausbildung als Grafiker.

Gerade weil dies so ist, ist ein Vorlage und Regeln im Umgang mit den Inhalten matchentscheidend.

Die Firma Komplex AG hat dies zwar erkannt, jedoch ihren Grafiker für Druckerzeugnisse beauftragt, ein allgemeingültiges Template zu entwickeln. Das führte dazu, dass die E-Learnings wie ein Textdokument strukturiert waren und durch falsche und unflexible Platzierung von Titel und Menü wenig Platz für Interaktionen vorhanden war. Ausserdem wurden didaktische Elemente, wie beispielsweise Handlungsaufforderungen und Symbole für Verweise, komplett ausser Acht gelassen.

Einige sehr ansprechende Beispiele von schön designten E-Learning-Templates nach didaktischen Regeln sind die in Articulate 360 zur Verfügung gestellten Templates in der Content Library.

Für die Firma Komplex AG durften wir von partekk ein Basis-Template gestalten, welches dem Entwickler die grösstmögliche Flexibilität zur Verfügung stellte.

Grund Nr. 5: Die Online-Trainingsplattform ist schwer zu bedienen.

Bei Komplex AG betrafen viele Beschwerden die Online-Trainingsplattform selbst.

Viele LMS-Lösungsanbieter verfügen über intuitive Benutzeroberflächen, die relativ einfach zu bedienen sind. Wenn die Mitarbeiter jedoch nicht mit dem LMS vertraut sind oder über grundlegende technische Fähigkeiten verfügen, ist selbst das benutzerfreundlichste und einfachste LMS eine Herausforderung.

Dies führte bei der Komplex AG dazu, dass viele Mitarbeiter schon vor dem Start der Lerneinheit verloren waren.

Die Komplex AG führte 3 Dinge ein:

  1. Eine Anleitung in PDF-Form und als kurzes Video schult die grundlegende Bedienung des LMS und des E-Learning-Moduls.
  2. Eine Hotline für Fragen und Anregungen wurde eingerichtet.
  3. Eine einfaches Formular dient dazu, systematisch Feedbacks bei den Nutzern einzuholen, um die Zufriedenheit zu messen und Verbesserungsvorschläge entgegenzunehmen.
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