Articulate Storyline 360 lernt sprechen

Mit dem neuen November-Update erhält  Articulate 360 eine Text-to-Speech-Funktion spendiert. Wir haben die Funktion für Sie getestet und hier ist unser Bericht:

Auf den ersten Blick fasziniert die Möglichkeit, direkt in Storyline Sprache zu generieren. Und tatsächlich gibt es einige interessante Anwendungen.

Mit dem Thema Text-to-Speech befassen wir uns schon seit einiger Zeit. Wir haben einiges in unserem Gratis-Ratgeber »Wie Ihre Informations- und Lernmodule ‘sprechen’ lernen« dazu geschrieben. In unserem Portfolio bieten wir Acapela Virtual Speaker an, eine TTS-Engine auf höchstem qualitativem Niveau.

Was ist Text-to-Speech (oder abgekürzt TTS)?

Eine »Software-Maschine« verwandelt geschriebenen Text in eine gesprochene Sprache und erzeugt eine Audio-Datei, welche beispielsweise in Articulate Storyline importiert werden kann.

Text-to-Speech-Lösungen bieten heute eine verblüffend natürlich klingende Sprachausgabe, welche der menschlichen Stimme sehr nahe kommt.  Effektiv bestehen die umfangreichen phonetischen Datenbanken aus vielen tausend „Sprachschnipseln“, welche ein „echter Mensch“ einmal aufgenommen hat. Text-to-Speech-Applikationen setzen diese zu verständlichen Wörtern und Sätzen zusammen.

Eine solche TTS-Engine hat Articulate in Storyline nun eingebaut. Die Verwendung ist denkbar einfach. Im Menü »Einfügen« (Insert) unter »Audio« wählen Sie »Text vorlesen lassen …« (Text-to-Speech…) öffnet sich ein Fenster. In zwei Dropdown-Menüs wählt man die gewünschte Sprache und die dazugehörige Sprecherin.

Mit dem Haken bei der Option »Geschlossene Untertitel generieren« (Generate Closed Captions) generiert Articulate Storyline 360 automatisch Untertitel – eine spannende Option.

Der Text wird herein kopiert und mit INSERT direkt als Audio in die Storyline-Folie eingebunden. Leider lässt sich der Text nicht »vorhören«, der Stimme-anhören-Knopf (Preview-Voice) lässt lediglich einen Standardsatz sprechen.

Wann macht der Einsatz von TTS Sinn?

Eine Schwäche von Text-to-Speech ist die nach wie vor monotone Intonation, welche vor allem bei längerem Zuhören anstrengend und störend wirkt.

Dieser Nachteil schränkt den Einsatz solcher Lösungen stark ein. Nach unserer Erfahrung ist die Verwendung von TTS als Off-Stimme für ein ganzes E-Learning-Modul ungeeignet. Hier empfehlen wir unbedingt einen Profisprecher oder mindestens eine echte menschliche Stimme, z. B. die Stimme eines Mitarbeiters.

Vor allem sehen wir zwei Einsatzmöglichkeiten:

  • Kurze Dialoge können so kostengünstig mit mehreren Stimmen angefertigt werden.
  • Ein Sprachskript kann mit dieser Funktion getestet und das E-Learning bereits für den Import von Tonaufnahmen eines Profisprechers vorbereitet werden. Unter »Audiowerkzeuge« (Audio Tools )- Optionen  kann das Audiofile mit »Audio ändern« (Change Audio) einfach ausgewechselt werden.

Wie ist die Qualität der Stimmen?

Die Beurteilung der Sprachqualität beinhaltet natürlicherweise eine subjektive Komponente.

Hier daher ein Sprachbeispiel, aufgenommen mit der neuen TTS von Storyline, um einen eigenen Eindruck zu erhalten.

Marlene:

Vicki:

Hans:

Klaus (Acapela)

 

Zusätzlich besteht eine weitere Herausforderung darin, der Maschine die gewünschte Aussprache von Fach- oder Fremdwörtern „beizubringen“.

Acapela bietet die Möglichkeit, ein eigenes Aussprache-Lexikon anzulegen. Dies ist sehr hilfreich, da Sie nicht für jeden Durchlauf die Aussprache immer neu „modellieren“ möchten. Dazu bieten die Software-Maschinen unterschiedliche Möglichkeiten, die Aussprache für Wörter festzulegen. Dies kann mittels spezieller Zeichen, phonetisch oder rein textlich, erfolgen.

Leider bietet Articulate hier keine solche Möglichkeiten. Vor allem das Fehlen einer Vorhör-Funktion macht das Finetuning und Modulieren von Fremdwörtern oder Namen zu einer sehr mühseligen Aufgabe.

Dennoch hat Articulate mit dieser Funktion wieder mal die Führerschaft am Markt übernommen und wird sicherlich diese Funktion weiter verbessern. Wir sind gespannt.

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